Ist Typst das neue LaTeX?

Anscheinend kommt – endlich – wieder Bewegung in die TeX-Welt. Das Satzprogramm Typst (gesprochen /taɪpst/), das 2022 im Rahmen der Masterarbeiten zweier Berliner Studenten entstand, findet immer mehr Anhänger und mehr Beachtung.

Es verspricht dieselbe Satzqualität wie TeX, sowohl für lange Texte als auch für mathematischen Formelsatz, bei ungleich höherer Verarbeitungsgeschwindigkeit (natürlich dank Rust …) und einfacherer Handhabung.

Die Daten- und Programmstruktur von TeX ist wesentlich von den Möglichkeiten der Computer der 80er Jahre geprägt. Zwar wird schon lange an neuen Versionen gearbeitet, und lualatex sowie BibLaTeX mit Biber haben wichtige Verbesserungen gebracht, doch steht die Kompatibilität zu den alten Standards und Versionen grundlegenden Neuerungen im Weg.

Typst geht daher andere Wege und strebt zwar eine vergleichbare Funktionalität und Erweiterbarkeit an, ist aber nicht TeX-/LaTeX-kompatibel. Eine Migration wird bspw. von pandoc unterstützt, wird aber im allgemeinen nicht 100%ig sein.

Das Markup sieht deutlich anders aus, und zusätzlich bietet Typst die Möglichkeit, übliche Konstrukte wie Überschriften, Aufzählungen und Quellcode in einer Wiki-Formatierung (ähnlich Markdown) zu schreiben, was das Eintippen sehr erleichtert. Ein Language-Server (tinymist) ermöglicht die Integration in viele Editoren und ein automatisches Neuerstellen der Ausgabedatei (PDF, SVG, künftig auch HTML) während des Tippens und damit eine fast kontinuierliche Vorschau.

Typst ist Open Source; zusätzlich gibt es eine SaaS-App als teilweise kostenpflichtiges Produkt, die u.a. kollaboratives Arbeiten und inkrementelles Preview bietet.

Es existiert schon eine Sammlung von Templates für viele Anwendungszwecke, die von Nutzern beigesteuert wurden, sowie ein eigenes Bibliografiesystem, das auch BibLaTeX-Dateien verwenden kann.

Noch ist Typst in einem frühen Entwicklungsstadium, und “breaking changes” sind möglich, aber es gibt schon eine umfangreiche Dokumentation, und eigene Versuche führten zu fehlerfreien und guten Ergebnissen.